Manuela (Name geändert), Mitte 30, verheiratet, im Pharmahandel tätig, ist hochschwanger und wohnungslos. Mit ihrem Mann Serge (Name geändert) und der elf-jährigen Tochter lebt sie seit zwei Monaten in einer Notunterkunft am Rande Münchens. Drei - bald vier - Menschen auf 16 Quadratmetern.

Am meisten leidet die Tochter: Sie schämt sich, kein Zuhause zu haben, zieht sich zurück. Ihre Eltern werden von Existenz- und Zukunftsängsten geplagt. Seit zwei Jahren schon suchen sie eine bezahlbare Wohnung – ohne Erfolg. Kein Wunder: 13.000 Anträge mit der höchsten Dringlichkeitsstufe auf eine Sozialwohnung gehen jedes Jahr beim Münchener Wohnungsamt ein. Vergeben werden 3.000.

Der Fall der jungen Familie zeigt symptomatisch, wie sehr sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt in Deutschland zugespitzt hat. Immer mehr Familien mit kleinem Einkommen und Alleinerziehende sind betroffen, leben in einer Notunterkunft, ohne Perspektive. Der Soziologe Volker Busch-Geertsema warnt: "Wohnungslosigkeit ist ein diskriminierendes Phänomen. Kein Kind erzählt gerne, dass es keine Wohnung hat. Oft ist das Leben in Gemeinschaftsunterkünften beengt, und das führt dazu, dass Kinder nicht mit Hausaufgaben klarkommen, manchmal müssen sie die Schule wechseln. Es gibt viele Folgeprobleme von Wohnungsverlust.“

Experten schätzen, dass 32.000 Kinder deutschlandweit von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn bislang existiert keine landesweite Statistik. Fakt ist: in den Großstädten mit hohem Mietniveau wie München, Frankfurt, Stuttgart, Hamburg und Berlin sind die Notunterkünfte voll. Welche Wege führen aus der Krise? Warum hat die Politik das Problem erst viel zu spät erkannt? Wie sieht es aus mit dem im Grundgesetz verankerten Recht auf ein Dach über dem Kopf? Und vor allem: Was soll aus den betroffenen Familien werden?

Mit der Wohnraumoffensive will der Bund in den Jahren 2020 und 2021 zwei Milliarden Euro in den sozialen Wohnungsbau investieren. Ein Tropfen auf den heißen Stein, meinen Experten. Mit diesen Mitteln allein lasse sich die aktuelle Krise nicht meistern. Der Film forscht nach Ursachen und Lösungsansätzen, begleitet wohnungslose Familien und zeigt, was es für Kinder und deren Eltern bedeutet, wenn ihnen ein eigenes Zuhause fehlt.